Reisebericht: Tour de Tessin


Tour de Tessin
Tour de Tessin - Karte

Take a Trip to Ticino

1. Treffen bei Dario, Morbio Inferiore
2. Osteria Manciana, Scudellate
3. Gin- und KĂ€severkostung, Sagno
4. Azienda Agricola Bianchi, Arogno
5. Grotto Eremo San Nicolao
6. Cantine Latini SA
7. Piazza Grande, Locarno
8. Alpe di Neggia, Gambarogno
9. Kirchturm, Intragna
10. Casa Martinelli, Maggia
11. Kirche San Giovanni Battista, Mogno
12. Sambuco Damm, Lavizzaratal
13. Verzasca Damm, Tenero-Contra, Gordola
14. RömerbrĂŒcke Ponte dei Salti, Lavertezzo, Verzascatal
15. Grotto Scalinata, Tenero


Wir kennen uns seit vielen Jahren und waren schon oft gemeinsam unterwegs. Seltsamerweise verstehen wir uns prĂ€chtig, obwohl wir unterschiedlicher kaum sein könnten. Lara ist ehrgeizig, liebt Herausforderungen aller Art. Eine davon ist ihr Job als FĂŒhrungskraft in einem großen Unternehmen, eine andere sind die Touren mit „ihren Jungs“. Ganz anders Milan: Typ sympathischer Familienvater, immer umsichtig und auf Sicherheit bedacht, Pragmatiker durch und durch. Der dritte im Bunde ist Chris, charmant, kommunikativ, stilbewusst, die Stimmungskanone des Quartetts – und auf der Maschine immer ein bisschen verspielt. WĂ€hrend die drei das Motorradfahren mehr oder weniger intensiv als Hobby betreiben, habe ich – Flo – es zum Beruf gemacht: ich halte als Stuntman fĂŒr Filmstars den Kopf hin, wenn ein Drehbuch mal wieder Unmögliches verlangt.

Der Vorschlag, ins Tessin zu fahren, kam von Chris: „Ich kenn da von frĂŒher noch ein paar nette Leute, die ich lang nicht mehr gesehen habe. Ein schickes Hotel hab‘ ich auch schon ausgesucht.“

Da hat er nicht ĂŒbertrieben, der alte Genießer. Das Hotel Serpiano liegt direkt oberhalb des Luganer Sees, in der Region Mendrisiotto. Das motorradfahrerfreundliche Hotel ist direkt am Hang gebaut und liegt in Serpiano auf dem Monte San Giorgio, UNESCO Welterbe. Hoch oben, mit sagenhaftem Ausblick, ist die Hotelterrasse eine Wucht! Mediterrane Postkartenidylle vom Feinsten! Und das Essen ist der Oberknaller: Schweizer Perfektion und GrĂŒndlichkeit mit italienischer Leidenschaft.

Satt und glĂŒcklich sitzen wir noch lange zusammen. Es werden Fotos von Kindern und Kinotrailer mit Stunt-Szenen gezeigt, Stories ĂŒber gefahrene Touren ausgetauscht. Lara erzĂ€hlt von ihrer Offroad-Tour durch Marokko: „Alles in Allem eine tolle Reise. Nur dass mir kurz vor der Abreise noch jemand die halbe AusrĂŒstung geklaut hat, war dann doch etwas zu viel Abenteuer.“ Ihr neues Outfit hat sie bei Louis bestellt, sagt sie. „Könnt ihr euch morgen anschauen.“ Milan mahnt schließlich zur Nachtruhe: „Wir wollen doch frĂŒh los.“

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Grotto Eremo San Nicolao, Somazzo

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Verzasca Staudamm

Bei Dario und Piera im Muggiotal

Der erste Fahrtag beginnt mit einem nicht enden wollenden Kurvenband hinĂŒber ins Muggiotal. Wir schwingen uns ein und bald gleiten wir wie eine geschlossene Einheit durch die Tessiner Kurven.

Chris macht den Tourguide und lotst uns zu seinem alten Kumpel Dario in Morbio Inferiore. Ein lebensfroher und sehr lustiger Motorrad-Freak. Er sammelt alte MotorrĂ€der, Roller und Skurriles aus lĂ€ngst vergangenen Tagen. Nein, Geld hat er nicht im Überfluss. Deshalb ist die Art und Weise, wie er an seine SchĂ€tze kommt, umso spannender. Oft tauscht er, manchmal auch gegen Arbeitsleistung. So hat er einer Ă€lteren Dame tagelang den Garten auf Vordermann gebracht, damit sie ihm ihren Uralt-Roller ĂŒberlĂ€sst. Ähnliche Geschichten kann Dario ĂŒber die meisten StĂŒcke seiner Sammlung erzĂ€hlen. Wir lauschen begeistert und entdecken immer neue Wunder: Eine aus Treibholz gebaute Seifenkiste, die einem Alfa aus den 1930er Jahren nachempfunden wurde, eine wassergekĂŒhlte Scott aus demselben Jahrzehnt. Zum Abschied gibt uns Dario noch einen Insider-Tipp mit auf den Weg. Wenn wir echte Tessiner KĂŒche erleben wollten, meint er, dann sollten wir hinter Muggio weiter bis nach Scudellate hochfahren. „Und wenn ihr die Osteria Manciana gefunden habt, grĂŒĂŸt Piera von mir.“

Die Anfahrt durchs Muggiotal entpuppt sich als landschaftliches Highlight. Die Fahrt geht auf der immer schmaleren Straße stetig bergauf. Ein paar enge Kehren noch, dann stehen wir vor der Osteria. Ohne Dario hĂ€tten wir den Ort in ĂŒber 900 Metern Höhe nie gefunden.

Eine Ă€ltere Dame begrĂŒĂŸt uns ĂŒberschwĂ€nglich, als wĂŒrde sie uns schon Jahrzehnte kennen. Das muss Piera sein. WĂ€hrend Chris uns vorstellt, frage ich mich, ob hier Dario die HĂ€nde im Spiel hatte, oder ob das hier oben in der Abgeschiedenheit einfach so ist. Ganze 25 Einwohner zĂ€hlt das Dorf. Und die Osteria ist die zentrale Anlaufstelle der Dorfgemeinschaft. Man trifft sich hier zum Reden, Espresso trinken oder Einkaufen. Das alte GemĂ€uer beherbergt neben der Osteria auch einen romantischen Kolonialwarenladen mit vielen, teilweise selbst gemachten Leckereien. Piera Piffaretti kocht, bedient und regiert ihr Reich mit fester Hand und umwerfendem Charme. Man muss sie einfach mögen, auch wenn man sie kaum versteht. Das traditionelle Essen ist reichhaltig und ĂŒberlecker. Gegessen wird, was auf den Tisch kommt, Polenta, Ossobuco und Brasato, basta. So einfach ist das hier.

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BrĂŒcke vor Lavertezzo, Verzascatal

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Tessin

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Grotto Eremo San Nicolao, Somazzo

Auf der RĂŒckfahrt lassen wir es etwas flotter laufen, alles easy, wir kennen die Strecke ja schon. Aber dann kommt uns in einer engen Kehre die Zivilisation in Gestalt eines riesigen Postbusses entgegen. Uff, nix passiert! Ab jetzt sind wir gewarnt.

Eigentlich sind wir ja noch satt vom Mittagessen bei Piera. Aber weil KĂ€se bekanntlich den Magen schliesst, wird uns von der KĂ€se-Expertin und -Produzentin, Marialuce Valtulini, der schmackhafte Zincarlin-KĂ€se serviert. Der Zincarlin ist ein traditioneller Tessiner KĂ€se, der schon auf der Liste der bedrohten KĂ€sesorten stand. Seit 2005 wird er hier wieder hergestellt und hat sich mittlerweile zu einem Slow-Food-PreistrĂ€ger entwickelt. Produziert aus Kuh- und Ziegenmilch reifen die kleinen, pyramidenförmigen Laibe in jahrhundertalten, natĂŒrlichen Felsenkellern. Der herbe Geschmack des Zincarlins verdankt er der liebevollen Behandlung von Marialuce. Er wird von ihr regelmĂ€ssig mit Weisswein eingerieben. Er schmeckt sehr krĂ€ftig und ist ein Gaumenschmaus der besonderen Art. Man kann ihn mit sĂŒssem Honig, mit scharfem Pfeffer oder nach Gusto einfach pur genießen. Hier wird auch Gin produziert. Die vier Schöpfer der Spirtuose, gefĂŒhrt von Martino Mombelli, sind Tessiner.

Marialuce Valtulini hat zusammen mit diesen vier jungen Produzenten aus dem Zincarlin-KĂ€se in Kombination mit dem Gin, auch ein neues Produkt geschaffen, den Gincarlin. Der KĂ€se wird vor Ort getestet, der Gin hingegen wandert in den Rucksack. Die Verkostung muss warten, bis wir wieder im Hotel sind. Alle Zutaten werden streng biologisch angebaut. Als Hommage an ihre Heimat haben sie ihren Gin „Bisbino“ getauft. So heisst der Berg oberhalb von Sagno. An dessen Fuß wir natĂŒrlich noch einige Kilometer kurvenreiches Asphaltband unter die RĂ€der nehmen. Die Sonne versteckt sich nun immer hĂ€ufiger hinter den Bergen und mahnt zur RĂŒckkehr ins Hotel. Hoch oben im Serpiano ergattern wir die letzten Sonnenstrahlen, die das Tessin in ein wunderschönes Abendlicht tauchen. Zeit fĂŒr einen gepflegten Gin-Tonic. Zum Wohl.

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Weinverkostung

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Zincarlin KĂ€se

Feiner Wein und feine Kurven

Tag zwei beginnt, wie der Erste aufgehört hat: mit kurvigen BergstrĂ€ĂŸchen. Vom Hotel geht es um die SĂŒdostspitze des Luganersees nach Norden bis Chris in die Einfahrt des Weinguts Azienda Agricola Bianchi abbiegt.

Ein willkommener Zwischenstopp, wie sich bald herausstellt. Denn die Tessiner Sonne brennt unermĂŒdlich und eine kleine AbkĂŒhlung in dem tief gelegenen Weinkeller tut gut. Der junge Winzer Gabriele erzĂ€hlt uns von seiner Vision. Auch hier ist die Naturverbundenheit allgegenwĂ€rtig. Bio ist das Zauberwort. Wir sind begeistert. Zumal Gabriele auch leidenschaftlicher Motorradfahrer ist. Vor dem Eingang steht seine Yamaha R6. Den Reifenflanken sieht man deutlich an, dass Gabriele gern ordentlich am Kabel zieht. Klasse! Die kurze Pause mit dem Plausch ĂŒber Wein, MotorrĂ€der, Ideallinie, Bienenzucht und Kurven könnte netter kaum sein und ist viel zu schnell vorbei. Auf der nĂ€chsten Etappe kann er uns zwar leider nicht begleiten, aber er gibt uns zum Abschied einen seiner auserlesensten Tropfen mit. Seine Weine haben kĂŒrzlich auch internationale Auszeichnungen erworben. Wir werden auf sein Wohl anstoßen, abends im Hotel.

Auf dem RĂŒckweg passieren wir Melano und Rovio, bevor wir uns auf einem dĂŒnnen Asphaltband hoch zum Grotto Emero San Nicolao schrauben. Eng an die schroffe Felswand gebaut, gleicht das Restaurant einem Schwalbennest und verbirgt vor dem Eintritt den Blick auf die namengebende Kapelle, die dahinter im Jahre 1413 in den Fels gehauen wurde.

Von hier oben hat man nicht nur einen unvergesslichen Blick weit ĂŒber Mendrisio hinaus. Es lĂ€sst sich auch prĂ€chtig, ĂŒberaus gĂŒnstig und ĂŒppig speisen. Nach dem Essen verschwindet Milan und kommt kurz darauf mit ganz großen Augen zurĂŒck. „Das mĂŒsst ihr sehen! Die Toiletten hier sind nix fĂŒr Leute mit Höhenangst.“ Und wirklich, der Blick aus dem Toilettenfenster geht fast senkrecht in die Tiefe.

FĂŒr den Nachmittag ist wieder KurvenrĂ€ubern angesagt. Dass das im Tessin trotz der strengen Schweizer Tempolimits bestens funktioniert, liegt einerseits am geringen Verkehrsaufkommen abseits der Hauptstraßen. Andererseits und vor Allem liegt es daran, dass man hier zwischen all den Kurven kaum mal hundert Meter geradeaus fĂ€hrt.

Als Milan bei einer kurzen Espresso-Pause anmerkt, dass die fĂŒr den Abend geplante Weinprobe mit nur einem Wein wohl etwas dĂŒrftig ausfallen werde, grinst Chris nur: „Nur Geduld, unsere Tour ist noch lange nicht vorĂŒber.“

Bald darauf stehen unsere Maschinen vor dem exponiert liegenden Weingut Cantine Latini SA - Azienda viticola in Tremona. Und Milan bekommt den gewĂŒnschten, aus Trauben gepressten, Kontrahenten.

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Tessin

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Osteria Manciana, Scudellate

Wir bleiben hier allerdings nicht lange, denn wir wollen noch eine alternative Route am SĂŒdufer des Sees entlang zurĂŒck ins Hotel erkunden. Das GlĂŒck ist uns hold und so erleben wir beim Cruisen am Ufer entlang einen atemberaubenden Sonnenuntergang, der die umliegende Berge in einen rot-orangen Ton taucht. Ruhe und Harmonie der Szenerie nehmen uns gefangen. Die Stimmung ist weit weg vom ĂŒblichen Alltagsstress – gelassen und ohne jegliche Hektik.

Dass das nicht nur uns gefĂ€llt, zeigen die vielen gut besuchten Restaurants direkt am See. SpĂ€testens jetzt ist klar, hier sind wir nicht zum letzten Mal. Krönender Abschluss des Tages ist wieder das StrĂ€ĂŸchen ĂŒber den Monte San Giorgo, zurĂŒck zum Hotel. Die Weinprobe verschieben wir auf den kommenden Abend. Die viele Sonne und die reichlichen Kilometer fordern ihren Tribut. MĂŒde aber ĂŒberaus zufrieden gehen wir frĂŒh zu Bett.

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Mogno, Lavizzara

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Kirche San Giovanni Battista

Kontrastprogramm am Lago Maggiore

Am heutigen dritten Tag stehen weniger die Gaumen- als die Fahrfreuden im Vordergrund. Außerdem steht ein Hotelwechsel auf dem Programm. FrĂŒh geht es los, hinĂŒber zum Lago Maggiore. Erster Stopp: die Piazza Grande im Zentrum Locarnos. Der Platz ist Heimat zahlreicher Open Air Konzerte und des Locarno Festivals. Viele GeschĂ€fte und CafĂ©s sĂ€umen den Platz. Wir lassen uns zu einem Eisbecher hinreißen, bevor wir unseren Bikes die Sporen hinauf auf die Alpe di Neggia geben.

Kurven wedeln satt. Hier kann man sich tatsÀchlich bis auf 1395 Höhenmeter schwindelig fahren. Je höher wir uns schrauben, desto öfter geben offene Almwiesen einen phÀnomenalen Blick auf den Lago Maggiore frei. Beeindruckend auch die HÀuser die hier oben stehen, viele nur aus Bruchstein und grobem Holz gebaut, totales Kontrastprogramm zum mondÀnen Treiben unten am See.
Oben angekommen gönnen wir den heißgefahrenen Bikes eine Pause, kaum einer redet ein Wort, ein magisches Fleckchen Erde.
Sogar die sĂŒĂŸen FrĂŒchte der sonnenverwöhnten Tessiner Region, die Lara mitgebracht hat, scheinen hier oben noch intensiver zu schmecken. Randvoll mit wunderbaren EindrĂŒcken schwingen wir wieder hinunter nach Ascona.

Wir gönnen uns ein Hotel direkt an der Seepromenade mit Blick auf den Lago Maggiore. Das umtriebige StĂ€dtchen zieht offensichtlich viele gut bis sehr gut betuchte GĂ€ste an. Entsprechend hoch liegt das allgemeine Preisniveau. Trotzdem ein „must see“ fĂŒr alle, die das Tessin bereisen.

Das Abendessen nehmen wir direkt auf der Promenade ein, mit weitem Blick ĂŒber den Lago. Weit im SĂŒden tobt ein Gewitter ĂŒber dem See. Eine gespenstische und zugleich erhabene Stimmung. Das beunruhigt allerdings nur uns Touristen. Die Einheimischen wissen, dass nicht alles auf dem See bis ans Ufer kommt. Also entspannen und den mitgebrachten Wein in wĂŒrdevoller Umgebung genießen. Herrlich dieses Ascona.

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Tessin

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RömerbrĂŒcke Ponte dei Salti, Lavertezzo

Der vierte Tag beginnt mit einem Abschied: Lara muss zurĂŒck nach Hause. Ihr Job ruft. Wir versprechen ihr, sie stĂŒndlich mit den neuesten Bildern zu Ă€rgern – oh Verzeihung – auf dem Laufenden zu halten.

Gleich das erste Bild zeigt den beeindruckenden 65 Meter hohen Kirchturm der Pfarrkirche San Gottardo in Intragna.
Weiter geht’s ins Maggiatal, wo wir im Martinelli Boutique Hotel einen ziemlich leckeren Zwischenstopp einlegen. Sie brauen dort unter anderem auch ungewöhnliche Biere, welche selbstredend zur spĂ€teren Verkostung im Rucksack landen. Darunter ein spannendes Hanfbier mit geheimen Zutaten, welche uns die Gastgeber nicht verraten wollen. Nur so viel, alles biologisch und selbst angebaut. Aha, schau an, die Schweizer.

Auf dem Weg zu unserem nĂ€chsten Highlight liegen schöne flĂŒssige Kurven, genau wie wir sie lieben. UnzĂ€hlige schöne Aussichtspunkte lenken den Blick immer wieder von der Ideallinie ab. Mal ist es eine Schlucht, mal ein Blick auf die mĂ€chtigen Berge.

Alles scheint zum Greifen nah, nur der Blick auf den KilometerzĂ€hler verrĂ€t das tatsĂ€chliche Ausmaß der ĂŒbermĂ€chtigen und wunderschönen Natur. Diesem KrĂ€fteverhĂ€ltnis zwischen Mensch und Natur zu Ehren hat der Tessiner Star-Architekt Mario Botta eine ungewöhnliche, zugleich beeindruckende Kirche gewidmet: San Giovanni Battista in Mogno.

Sie erinnert an die Zerstörung der alten Kirche und vieler HĂ€user des Dörfchens durch eine Lawine im Jahre 1986. Die Kirche wurde 1996 wieder aufgebaut. Man muss die optischen Reize im Inneren der Kirche gesehen haben. Ein bereicherndes Erlebnis – und mehr Fotos fĂŒr Lara.

Wir fahren weiter talaufwĂ€rts zum hoch gelegenen Stausee Lago del Sambuco. Die Strecke verzĂŒckt immer weiter mit neuen Reizen, sowohl straßenbaulicher als auch landschaftlicher Natur. WasserfĂ€lle, die teilweise ĂŒber die Straße hinunter in den See stĂŒrzen, zaubern ein Meer aus Regenbogenfarben in den Himmel.

Höchster Punkt der heutigen Etappe ist mit 1756 Meter die Hochalm Campo la Torba. Ein uralter, knorriger Baum trotzt hier völlig einsam allen Widrigkeiten. „Das sieht aus wie eine Szene aus dem Herrn der Ringe“, meint Milan, sichtlich beeindruckt.

Schwer beeindruckt sind wir alle auch vom Fahrerlebnis mit unzĂ€hligen sportlich gefahrenen Kurven, Schotterpassagen und Wasserdurchfahrten. ZurĂŒck an der Promenade vor unserem Hotel setzen wir uns direkt ans Ufer, lassen die Beine ins Wasser baumeln und genießen die laue Sommernacht mit unserem gut geschĂŒttelten und völlig biologischen Bier mit den „geheimen Zutaten“.

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v. l. n. r. Tessin, Grotto Scalinata,Tessin

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Auf einen Sprung ins Verzascatal

Der letzte Tour-Tag verspricht nicht weniger spannend zu werden, auch wenn deutlich weniger Kilometer auf dem Plan stehen.
Wieder ĂŒberrascht uns Chris. Eine Bekannte aus Locarno beehrt uns mit ihrem Besuch. Chanty ist Vorsitzende des Clubs She's Biker und TĂ€towiererin mit eigenem Studio. Eine attraktive, spannende, relaxte Frau.

Sie fĂ€hrt mit einer donnernden Harley vor. Wie sie selbst sagt, hasst sie dieses Bike. Viel lieber wĂŒrde sie einen Sportler mit Vollverkleidung fahren. Allerdings misst sie gerade mal 1,58 – mit Plateau-Biker-Boots und braucht deshalb ein Bike mit niedriger Sitzhöhe. Und trotzdem fĂ€hrt sie ein so schweres Bike. Sie wird uns heute auf unserer Ausfahrt begleiten.

„Na hoffentlich bremst die uns nicht so ein.“ Milans BefĂŒrchtung erweist sich sehr schnell als unbegrĂŒndet. Die Frau weiß mit ihrer dicken Harley umzugehen, gibt aus den Kehren heraus frĂŒh und mĂ€chtig Gas, bremst hart die Kurven an. Klasse. Die engsten Kurven zum Verzasca Staudamm nimmt sie mit schleifenden Fußrasten. Respekt!

In Chantys Schlepptau fahren wir das Verzascatal hoch zum letzten Highlight unserer Tour, der Ponte dei Salti. Die BrĂŒcke soll aus dem 17. Jahrhundert stammen und ĂŒberspannt die Verzascaschlucht in zwei hohen Bögen. Drunten rauscht das smaragdgrĂŒne Wasser durch sein felsiges Bett und bildet direkt unter der BrĂŒcke ein tiefes Becken. Das nutzt die einheimische Jugend gern fĂŒr Mutproben. Klar, warum die BrĂŒcke ĂŒbersetzt BrĂŒcke der SprĂŒnge heißt.

Tour de Tessin

Tessin

Milan ist nicht zu halten, entledigt sich seiner Motorradkluft und springt aus Respekt einflĂ¶ĂŸenden 7 Metern Höhe in Unterhosen mit gekonntem RĂŒckwĂ€rtssalto in das erfrischende Nass. Die umstehenden Touristen applaudieren, Chris und ich schauen uns fragend an. Ist das noch Milan, unser Sicherheitsexperte? Will er Chanty beeindrucken? Wahrscheinlich sind es einfach die Magie dieses Ortes und die in den letzten Tagen aufgestauten GlĂŒckshormone.

ZurĂŒck aus dem Verzascatal folgen wir Chanty ins Grotto Scalinata wo wir noch einmal die Tessiner KĂŒche genießen. Ausklingen lassen wir den Tag an „unserer“ Promenade am Lago Maggiore. Die arme Lara kriegt ein Bild nach dem anderen und schwört, dass sie die nĂ€chste Tour bis zum Ende mitfahren wird. Wir alle sind uns einig: Es ist toll, gute Freunde zu haben, es ist noch besser mit ihnen eine Leidenschaft zu teilen. Unschlagbar wird es, wenn man diese Leidenschaft in einer so wunderbaren Umgebung gemeinsam ausleben kann.

Weiteres Tourenmaterial

Hinweis zum Kartenmaterial

Um die Nachfahrbarkeit unserer TourenvorschlĂ€ge zu gewĂ€hrleisten, bieten die hier angebotenen gpx-Downloads eine hohe Wegpunktdichte und sind mit dieser Datenmenge nicht auf jedem Navisystem direkt darstellbar. Zur Bearbeitung kannst du diese gpx-Dateien in das fĂŒr dein NavigationsgerĂ€t passende Routenprogramm importieren und dann in fĂŒr das GerĂ€t verdauliche Portionen aufteilen. Die endgĂŒltige DateigrĂ¶ĂŸe ist dann abhĂ€ngig vom Navi-Modell und der zugehörigen Software-Version. Solltest du keine Routensoftware besitzen, lĂ€sst sich diese Datei auch in den gĂ€ngigen Online-Routensystemen bearbeiten. Diese bieten fĂŒr nahezu alle GerĂ€te auf dem Markt die passenden Konvertierungstools.

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